Wie viel Energie ist erforderlich, um ein Bit von München nach Hamburg zu übertragen? Diese Frage Stand im Jahr 2008 am Anfang des T-Labs-Projekts SEE_ICT (Solutions for Energy Efficient Information Communication Technology), in dem Ansätze untersucht wurden, mit denen der zukünftige Energiebedarf der Netzplattformen reduziert werden könnte.
Die Dimensionen dieses Projekts werden deutlich, wenn man weiß, dass der Betrieb der Netz- und IT-Infrastruktur der Telekom die Leistung von mehr als einem Großkraftwerk benötigt.
Wachsender Energiebedarf durch Internetnutzung
Zugleich wächst der Internetverkehr seit Jahren kontinuierlich alle 12 Monate um etwa 50 bis 60 Prozent. Studien prognostizieren ein weiteres Wachstum von jährlich 30–50% des Verkehrs in den nächsten zehn Jahren. Ein Beispiel aus der täglichen Praxis: Die Anzahl der Fotos bei dem populären Dienst Flickr wuchs in einem Jahr um etwa 1 Milliarde, das sind etwa 35–40 TByte (40.000 GByte) Wachstum pro Woche.
Der Energiebedarf ist damit ein wesentlicher Bestandteil der Betriebskosten eines Netzwerkbetreibers; die entsprechenden Projekte sind daher sowohl ökonomisch als auch ökologisch motiviert. Im Projekt SEE_ICT wurde zunächst eine Bewertung der verschiedenen Energiebedarfe in den Betriebsstellen der Zugangs-, Aggregations- und Kernnetze sowie in den Rechenzentren vorgenommen. Eine wesentliche Erkenntnis war, dass die meisten Systeme und Netze heute völlig unabhängig davon, ob Nutzdaten verarbeitet werden oder nicht, die gleiche Leistung aufnehmen.
Genau an diesem Punkt setzen die Lösungen an, die bei SEE_ICT entwickelt wurden und nun im Folgeprojekt LOLA (Load-adaptive Networks & LANs) vertieft untersucht werden: Da die Verkehrslast im Verlauf eines Tages signifikant variiert, können in Phasen geringerer Last einzelne Systeme und Komponenten in einem Modus mit niedrigerer Energieaufnahme betrieben werden, ohne dass eine Beeinträchtigung für die Nutzer entsteht. Erste Schätzungen zeigten, dass sich mit derartigen Verfahren, die den Energiebedarf an die jeweilige Auslastung des Netzes anpassen („lastadaptiv“), bis zu 35 Prozent des Energiebedarfs einsparen lassen.